Warum brauchen immer mehr Volksschulkinder Nachhilfe?
- Erkan Ercan

- 25. Aug.
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Tagen

Nachhilfe wird häufig mit Schularbeiten, schlechten Noten oder der Vorbereitung auf die
Matura verbunden. Tatsächlich beginnt zusätzliche Lernunterstützung in Österreich inzwischen aber deutlich früher.
Der aktuelle Nachhilfebarometer 2026 der Arbeiterkammer zeigt, dass bereits 23 Prozent der Volksschulkinder Nachhilfe erhalten bzw. benötigen. Der längerfristige Vergleich ist besonders auffällig: 2010 lag der Anteil noch bei 12 Prozent, 2025 bereits bei 22 Prozent. Innerhalb von 15 Jahren hat sich der Anteil damit beinahe verdoppelt.
Warum benötigen bereits Kinder in der Volksschule zusätzliche Unterstützung – und wann kann es sinnvoll sein, frühzeitig zu fördern?
Warum benötigen bereits so viele Kinder in der Volksschule zusätzliche Unterstützung?
Dass sich der Nachhilfebedarf in der Volksschule innerhalb von rund 15 Jahren nahezu verdoppelt hat, lässt sich nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. Aus unserer Erfahrung wirken häufig mehrere Faktoren zusammen.
Besonders auffällig ist für uns, dass heute öfter bereits sehr junge Kinder Unterstützung bei grundlegenden Kompetenzen wie Lesen, Textverständnis und Zahlenverständnis benötigen. Während Volksschüler aus der 1. oder 2. Klasse in der Nachhilfe früher eher eine Ausnahme waren, begegnen uns solche Fälle inzwischen deutlich häufiger.
Auch aktuelle Bildungsdaten zeigen, dass ein erheblicher Teil der Kinder bereits am Beginn bzw. am Ende der Volksschule vor grundlegenden Herausforderungen steht.
Fehlende Deutschkenntnisse erschweren den Schulstart
Gerade an Schulen mit vielen unterschiedlichen Erstsprachen kann die Unterrichtssprache Deutsch zu einer zusätzlichen Herausforderung werden.
Im Schuljahr 2024/25 benötigten österreichweit mehr als 23 Prozent der Kinder in der 1. Klasse Volksschule intensive Deutschförderung. Insgesamt hatten rund 48.400 Schüler an Pflichtschulen einen außerordentlichen Schülerstatus aufgrund unzureichender Deutschkenntnisse – rund 54 Prozent mehr als noch 2020/21.
Wer eine Aufgabenstellung sprachlich nicht ausreichend versteht, hat jedoch nicht nur im Deutschunterricht Schwierigkeiten. Auch eine mathematische Sachaufgabe kann kaum selbstständig gelöst werden, wenn bereits unklar ist, was eigentlich gefragt wird.
Aus unserer Nachhilfepraxis kennen wir deshalb auch Kinder, bei denen ein vermeintliches Mathematikproblem bei genauerem Hinsehen teilweise ein Sprach- oder Textverständnisproblem ist.
Das bedeutet nicht, dass Mehrsprachigkeit grundsätzlich ein Nachteil ist. Problematisch wird es vor allem dann, wenn die Kenntnisse der Unterrichtssprache beim Schuleintritt noch nicht ausreichen, um dem Unterricht sicher folgen zu können. Je länger grundlegende Inhalte dadurch nicht vollständig verstanden werden, desto schwieriger kann es werden, diese Lücken parallel zum neuen Schulstoff wieder aufzuholen.
Lesen wird spätestens ab der Volksschule zum Werkzeug für fast alle Fächer
Ein zweiter Punkt, den wir zunehmend beobachten, betrifft die Lesekompetenz.
Manche Kinder lesen außerhalb der Schule kaum oder nur sehr selten. Besonders problematisch wird das, wenn das Lesen selbst am Ende der Volksschule noch nicht ausreichend automatisiert ist.
PIRLS 2021 zeigt, dass in Österreich rund 20 Prozent der Kinder am Ende der 4. Klasse zu den schwachen bzw. sehr schwachen Lesern gehören. Das IQS weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Kinder in der Sekundarstufe erhebliche Schwierigkeiten bekommen können, weil etwa ab der 5. Schulstufe nicht mehr hauptsächlich „Lesen lernen“, sondern zunehmend „Lesen, um zu lernen“ verlangt wird.
Genau diese Entwicklung sehen wir auch in der Nachhilfe. Vereinzelt begegnen uns selbst in der Unterstufe Kinder, die Texte noch nicht flüssig lesen oder große Schwierigkeiten haben, den Inhalt einer Aufgabenstellung selbstständig zu erfassen.
Das wirkt sich dann nicht nur auf Deutsch aus. Wer langsam oder unsicher liest, benötigt auch für Mathematik, Biologie, Geschichte oder Geografie erheblich mehr Zeit und Unterstützung.
Deshalb ist es aus unserer Sicht wichtig, Lesen nicht nur als Schulaufgabe zu betrachten. Regelmäßiges Lesen zu Hause – möglichst mit Texten, die das Kind tatsächlich interessieren – gehört zu den einfachsten Möglichkeiten, diese Fähigkeit langfristig zu stärken.
Wenn mathematische Grundlagen schon früh fehlen
Auch in Mathematik beobachten wir zunehmend Kinder, denen grundlegendes Zahlenverständnis oder sichere Rechenstrategien fehlen. Dabei geht es nicht nur darum, ein Ergebnis richtig auszurechnen. Kinder müssen Mengen, Zahlenbeziehungen und Rechenwege verstehen, damit später beispielsweise Multiplikation, Division, Sachaufgaben oder Bruchrechnung darauf aufbauen können. Werden grundlegende Rechenverfahren nur auswendig angewendet, ohne wirklich verstanden zu werden, fallen Schwierigkeiten häufig erst auf, wenn der Schulstoff komplexer wird. Aus unserer Erfahrung ist es deshalb sinnvoll, bereits in der Volksschule darauf zu achten, ob ein Kind Rechenwege tatsächlich verstanden hat – und nicht nur, ob das Ergebnis stimmt.
Aufmerksamkeit und digitale Medien: Was beobachten wir in der Nachhilfe?
Ein weiterer Punkt, den wir im Unterricht zunehmend wahrnehmen, ist die Schwierigkeit mancher Kinder, sich über längere Zeit mit einer Aufgabe zu beschäftigen.
Digitale Medien gehören selbstverständlich zum Alltag von Kindern. Entscheidend ist deshalb nicht die Frage, ob ein Kind überhaupt ein Smartphone, Tablet oder einen Computer verwendet, sondern wie früh, wie lange und wofür diese Medien genutzt werden.
Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten zeigen Zusammenhänge zwischen hoher Bildschirmzeit und Aufmerksamkeitsproblemen bei Kindern. Die Forschung erlaubt allerdings keine einfache Aussage, dass Smartphones oder Kurzvideos allein Konzentrationsprobleme verursachen – die Zusammenhänge sind komplex und teilweise wechselseitig.
In unserer Nachhilfepraxis beobachten wir dennoch, dass einige Kinder große Schwierigkeiten haben, sich 30, 45 oder 60 Minuten mit einer Aufgabe auseinanderzusetzen, ohne ständig nach einem neuen Reiz zu suchen. Gerade Smartphones können dabei unmittelbar ablenken.
Deshalb gilt bei uns teilweise ganz pragmatisch: Wenn das Handy das Lernen stört, kommt es während der Einheit weg.
Für jüngere Kinder halten wir es für besonders wichtig, neben digitalen Angeboten auch Tätigkeiten zu fördern, die längere Aufmerksamkeit verlangen: lesen, schreiben, rechnen, zeichnen, bauen, spielen oder sich über einen längeren Zeitraum mit einer Aufgabe beschäftigen.
Wie stark beeinflusst das Elternhaus den schulischen Start?
Auch die Möglichkeiten zur Unterstützung zu Hause unterscheiden sich erheblich.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Eltern mit höherer Bildung automatisch „bessere Eltern“ sind. Sie verfügen aber häufig über andere Möglichkeiten, bei schulischen Fragen zu unterstützen, das österreichische Bildungssystem einzuordnen oder zusätzliche Förderung zu organisieren.
PIRLS zeigt für Österreich einen besonders starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Lesekompetenz. Kinder aus der niedrigsten Berufsstatusgruppe der Eltern erreichten 2021 im Durchschnitt 73 Punkte weniger als Kinder aus der höchsten Gruppe. Auch der Bildungsstand und der sprachliche Hintergrund der Familie stehen deutlich mit der Lesekompetenz in Zusammenhang.
Das kann sich im Alltag sehr unterschiedlich zeigen. Manche Eltern können problemlos gemeinsam lesen, mathematische Aufgaben erklären oder bei Hausübungen unterstützen. Andere möchten ihr Kind genauso unterstützen, sprechen aber selbst noch nicht ausreichend Deutsch oder kennen die in der Schule verwendeten Lösungswege nicht.
Hinzu kommt: Eltern können Schule nicht ersetzen – genauso wenig wie Schule alle unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen jedes Kindes vollständig kompensieren kann.
Deshalb ist aus unserer Sicht frühe und altersgerechte Förderung so wichtig. Sie muss nicht erst beginnen, wenn bereits eine schlechte Note im Zeugnis steht. Oft ist es sinnvoller, kleinere Schwierigkeiten früh zu erkennen und spielerisch daran zu arbeiten, bevor daraus in späteren Schulstufen größere Lernlücken entstehen.
Nicht eine Ursache – sondern mehrere Entwicklungen gleichzeitig
Der stark gestiegene Nachhilfebedarf in der Volksschule lässt sich deshalb aus unserer Sicht nicht mit einer einfachen Erklärung beantworten.
Unzureichende Kenntnisse der Unterrichtssprache, fehlende Lesepraxis, Schwierigkeiten bei grundlegenden mathematischen Kompetenzen, veränderte Mediengewohnheiten, unterschiedliche Unterstützungsmöglichkeiten im Elternhaus und steigende Anforderungen können sich gegenseitig verstärken.
Gleichzeitig sollte man nicht den Fehler machen, jedes Kind mit Schwierigkeiten sofort zur Nachhilfe zu schicken. Kinder entwickeln sich unterschiedlich und brauchen unterschiedlich viel Zeit.
Entscheidend ist vielmehr, grundlegende Schwierigkeiten früh zu erkennen und herauszufinden, wodurch sie tatsächlich entstehen. Je früher das gelingt, desto mehr Zeit bleibt, ein Kind ohne unnötigen Leistungsdruck gezielt zu fördern.
Welche Grundlagen sind in der Volksschule besonders wichtig?
Lesen, Schreiben und Rechnen sind nicht einfach einzelne Lernbereiche. Sie bilden die Grundlage für einen großen Teil des späteren Schulstoffs.
Lesen und Textverständnis
Ein Kind muss einen Text nicht nur vorlesen können. Mit zunehmender Schulstufe wird es immer wichtiger, Inhalte selbstständig zu erfassen und Aufgabenstellungen richtig zu verstehen.
Probleme mit dem Lesen wirken sich deshalb irgendwann auch auf andere Fächer aus: Eine mathematische Sachaufgabe kann beispielsweise nur richtig gelöst werden, wenn das Kind zunächst versteht, was überhaupt gefragt ist.
Schreiben und Rechtschreibung
Rechtschreibung, Satzbildung und das Verfassen eigener Texte entwickeln sich über mehrere Jahre. Manche Kinder benötigen dabei mehr Wiederholung und Erklärung als andere.
Wichtig ist, Schwierigkeiten möglichst konkret zu erkennen: Liegt das Problem bei der Rechtschreibung, beim Wortschatz, bei der Satzbildung oder bereits beim Verständnis einer Aufgabenstellung?
Mathematik und Grundrechnungsarten
Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division bilden die Basis für viele spätere Mathematikthemen. Wenn ein Kind bei grundlegenden Rechenwegen sehr unsicher ist, wird neuer Stoff zunehmend schwieriger.
Auch Zahlenverständnis, Sachaufgaben, Größen und Maßeinheiten spielen bereits in der Volksschule eine wichtige Rolle.
Wann kann Nachhilfe in der Volksschule sinnvoll sein?
Nicht jede Unsicherheit erfordert sofort professionelle Nachhilfe. Kinder entwickeln sich unterschiedlich und kurze schwierigere Phasen gehören zum Lernen dazu.
Aufmerksam sollte man aber werden, wenn beispielsweise Grundlagen über einen längeren Zeitraum unsicher bleiben, Hausübungen regelmäßig nur mit intensiver Unterstützung möglich sind oder das Kind immer stärker den Anschluss verliert.
Auch ein wachsender Frust kann ein Signal sein. Wenn aus einzelnen Schwierigkeiten zunehmend Aussagen wie „Ich kann Mathe einfach nicht“ oder „Ich bin schlecht in Deutsch“ werden, sollte man genauer hinsehen.
Oft ist es leichter, eine kleine Lernlücke früh aufzuarbeiten, als mehrere Jahre später zahlreiche aufeinander aufbauende Inhalte nachzuholen.
Warum sollte Förderung nicht erst beginnen, wenn die Note schlecht ist?
Aus unserer Erfahrung entsteht gerade in der Volksschule manchmal ein Missverständnis: Solange die Noten passen, scheint alles in Ordnung zu sein.
Noten zeigen aber nicht immer, wie sicher ein Kind die zugrunde liegenden Fähigkeiten bereits beherrscht.
Ein Kind kann beispielsweise Aufgaben mit viel Unterstützung zu Hause gut bewältigen. Entscheidend ist langfristig jedoch, ob es diese zunehmend selbstständig lösen kann.
Frühzeitige Förderung bedeutet deshalb nicht, ein Kind möglichst früh unter Leistungsdruck zu setzen. Im Gegenteil: Wenn ausreichend Zeit vorhanden ist, können Inhalte wesentlich entspannter und in kleinen Schritten aufgebaut werden.
Das gilt besonders dann, wenn Eltern bereits wissen, dass später beispielsweise der Besuch eines Gymnasiums angestrebt wird.
Welche Rolle spielen Eltern beim Lernen?
Eltern leisten bereits heute einen erheblichen Teil der Lernunterstützung. Laut AK Nachhilfebarometer 2026 unterstützen 68 Prozent der Eltern ihre Kinder mehrmals pro Woche beim Lernen.
Das ist einerseits wertvoll, kann andererseits aber auch belastend werden.
Eltern müssen nicht automatisch die Rolle einer zusätzlichen Lehrkraft übernehmen. Gerade wenn dieselben Übungen immer wieder zu Konflikten führen oder Eltern nicht wissen, wie ein Thema in der Schule erklärt wurde, kann externe Unterstützung die Situation auch innerhalb der Familie entspannen.
Warum ist die 4. Klasse Volksschule eine besondere Phase?
In Deutsch und Mathematik sind auf der 4. Schulstufe jeweils vier bis sechs Schularbeiten pro Schuljahr vorgesehen. Gleichzeitig steht die Entscheidung über die weiterführende Schule bevor.
Für viele Kinder entsteht dadurch erstmals deutlich mehr Leistungsdruck.
Problematisch wird es insbesondere dann, wenn größere Lernlücken erst jetzt erkannt werden und innerhalb weniger Monate plötzlich deutlich bessere Leistungen erreicht werden sollen.
Lernentwicklung funktioniert jedoch selten von heute auf morgen.
Was können Eltern schon vor der 4. Klasse tun?
Das Ziel sollte nicht sein, ein Kind bereits im Kindergarten auf Schularbeiten oder das Gymnasium vorzubereiten.
Viel wichtiger sind altersgerechte Grundlagen: Freude am Lesen, Zahlenverständnis, Konzentration, Selbstständigkeit und eine gesunde Lernroutine.
Auch der eigentliche Schulstart ist dabei ein wichtiger Entwicklungsschritt.
Je früher Schwierigkeiten erkannt werden, desto mehr Zeit bleibt, sie ohne unnötigen Druck aufzuarbeiten.
Was passiert nach dem Wechsel auf eine weiterführende Schule?
Auch gute Leistungen in der Volksschule garantieren nicht, dass der Übergang ins Gymnasium völlig problemlos verläuft.
Manche Kinder hatten vier Jahre lang Einser und Zweier – und schreiben wenige Monate nach dem Schulwechsel plötzlich ihre erste negative Note.
Das bedeutet nicht automatisch, dass das Gymnasium die falsche Entscheidung war. Häufig verändern sich Lerntempo, Organisation und Anforderungen gleichzeitig.
Wie unterstützt Notenstar Volksschüler?
Bei Notenstar unterstützen wir Volksschüler insbesondere in Mathematik und Deutsch. Dabei geht es je nach Lernstand um das Festigen grundlegender Fähigkeiten, das Aufarbeiten bestehender Schwierigkeiten oder die Vorbereitung auf neue Anforderungen.
Für jüngere Kinder achten wir besonders darauf, dass Inhalte verständlich, geduldig und altersgerecht vermittelt werden. Für die Volksschule setzen wir nach Möglichkeit Lehrkräfte bzw. Studierende mit Schwerpunkt Primarstufe ein.
Welche Form der Unterstützung sinnvoll ist, hängt vom Kind, seinem Lernstand und dem konkreten Ziel ab. Weitere Informationen findest du unter:

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